Stand September 2016
Durch Umplanungen und Verfeinerungen haben sich viele Details geändert. Das prinzipielle Raumkonzept ist aber erhalten geblieben.

 

Lageplan

rss 113 lageplan

 

Ansicht von Straße (Nord)

rss 113 ansicht nord

 

Ansicht von Osten

rss 113 ansicht west

 

Ansicht von Süden (Garten)

rss 113 qansicht sued

 

Ansicht von Westen (Eingang)

rss 113 ansicht ost

 

Längs-und Querschnitt

rss 113 laengsschnitt klassentrakt

rss 113 querschnitt scherentreppe

Neue Räume für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Nicht wenigen Menschen fällt es leicht, sich von Altbekanntem zu lösen und neue Wege einzuschlagen, um für die Aufgaben, die in Zukunft kommen werden, vorbereitet zu sein.

Doch genau dieser Weg wurde beschritten, als sich vor geraumer Zeit der Baukreis erstmalig einfand, um die Schaffung neuer Räumlichkeiten auf dem Areal des heutigen Gebäudes Endreesstraße 113 anzudenken. Seitdem wurden viele Erkenntnisse zusammengetragen und ein zweitägiger Workshop, mit Eltern-, Lehrern- und Nutzervertretern zur Findung eines geeigneten Raumprogramms unter Berücksichtigung der bestehenden Qualitäten abgehalten.

Es war offensichtlich, dass die notwendigen Räumlichkeiten in der bestehenden Bausubstanz in der Endreestraße 113 auch unter bestmöglicher Optimierung der Raumnutzungen nicht umzusetzen sind.

Aufgrund der Komplexität der Aufgabe und nicht zuletzt als Grundlage zur Klärung der Finanzierungsfrage wurde vom Baukreis der Beschluss gefasst, anhand des im Workshop kooperativ entwickelten Raumprogramms einen Wettbewerb auszuloben.

Dem Schulverein als Auslober des Wettbewerbs bot sich dadurch die Gelegenheit aufgrund einer Vielzahl von Projektideen und durch die Mitwirkung des Preisgerichts die vergleichsweise beste Lösung für die nächsten Realisierungsschritte zu ermitteln.

Der daraufhin vom Schulverein initiierte Ideenwettbewerb stellt ein bestimmtes Verfahren von Architekturwettbewerb dar, bei dem nicht unmittelbar beabsichtigt wird, das erstgereihte Projekt zu realisieren, sondern im Vordergrund steht, die Wettbewerbsarbeit des Gewinners als Grundlage für weitere Planungsschritte zu nutzen.

Nach einer angemessenen Bearbeitungszeit gaben am 15. Dezember 2014 insgesamt sechs der sieben eingeladenen Architekturbüros ihre Wettbewerbsprojekte ab. Jedes Architekturbüro erhält für das eingereichte Projekt, unabhängig von einer Bewertung, eine finanzielle Entschädigung für die Erstellung der Pläne und Modelle.

Die Wettbewerbsarbeiten wurden daraufhin einer sorgfältigen Prüfung unterzogen, bei der die Einhaltung der Vorgaben des Wettbewerbprogramms sichergestellt wurde. In den darauffolgenden Wochen wurde jedem der teilnehmenden Architekturbüros die Gelegenheit gegeben, die Projekte dem Baukreis und der Jury persönlich vorzustellen. Im Januar konnten die Projekte dann auch den Eltern und Lehrern präsentiert werden, die darüber hinaus auch zur Stimmenabgabe für die favorisierten Wettbewerbsbeiträge aufgefordert wurden. Das es sich bei dem erstrangierten Projekt dieser Umfrage auch um das Siegerprojekt des Wettbewerbes handelt, kann als glücklicher Zufall gesehen werden, vielmehr spricht es jedoch für die Qualitäten des ausgewählten Beitrages.

Am 14.02.2015 fand dann schlussendlich die Sitzung der 11-köpfigen Jury statt, um eine Entscheidung für eines der eingereichten Projekte herbeizuführen. Alle Jurymitglieder waren positiv überrascht von der Vielfalt und Qualität der Ideen, die trotz der umfangreichen Rahmenbedingungen vorgeschlagen wurden. Umso sorgfältiger und gewissenhaft wurden die Projekte geprüft und gegenübergestellt. Aufgrund des persönlichen Bezugs, den jedes der Jurymitglieder zur Schule hat, sei es als Pädagoge oder als Elternteil von Schülern, wurde sehr konzentriert und mit viel Herzblut an der Prämierung des am besten geeigneten Projektes gearbeitet.

Um zunächst möglichst objektive Kriterien zur Beurteilung zu erhalten, wurden der Städtebau, der Außenraum, die Architektur, die funktionalen Zusammenhänge sowie die Konstruktion und die Wirtschaftlichkeit der Projekte diskutiert. Ein zusätzlicher Bewertungspunkt waren auch die von den Architektenteams vorgeschlagenen Lösungen zur Haustechnik und der Baubiologie.

Das Ziel bei der Auswahl des geeigneten Projektes war es, eine möglichst tragfähige Ausgangslage für die nächsten Planungsphasen aber auch für die Finanzierung zu erhalten. Bei allen Bewertungsdurchgängen wurden die Stellungnahmen verschiedener Fachgruppen, unter anderem auch der Gartengruppe, mit einbezogen und bei der Bewertung berücksichtigt.

Im Laufe der Jurysitzung kristallisierte sich ein besonders bemerkenswertes Projekt heraus, dass auf raffinierte und umsichtige Weise den Anforderungen an die neuen Räumlichkeiten gerecht wurde.

Das Architekturbüro Andreas Breuss schlägt zusammen mit Dietrich-Untertrifaller ein Gebäude vor, bei dem sich die Dachform aus der Nachbarbebauung entwickelt und so ganz selbstverständlich eine Form für die Einbindung in das Ortsbild findet. Im Garten wird in Anlehnung an die Bebauungsbestimmungen ein Baukörper vorgeschlagen, der den bestehenden Grünraum strukturiert und bestehende Qualitäten stärkt. Als attraktive Ergänzung des vorgegebenen Raumprogramms wird von den Architekten vorgeschlagen, das Dach des gartenseitigen Gebäudeteils als Dachgarten von der Galerie der neuen Aula aus zugänglich zu machen und so die „verlorene“ Grünfläche quasi wiederherzustellen.

Generell wird die klare und einleuchtende Konzeption des Projektes wird von der Jury positiv hervorgehoben. Der zentrale Zugang und die ablesbare Trennung der Funktionen im Inneren ergeben logische Abläufe und gute Organisationsmöglichkeiten. Die Grundrisse sind klar strukturiert und zeigen eine kompakte Konzeption. Die wesentlichen Raumgruppen, wie die 2-geschossige Aula mit Galerie, der Speisesaal mit Gartenorientierung, der mit Tageslicht versorgte Turnsaal, der integrierte Bioladen und der Dachgarten, weisen eine hohe gestalterische und funktionale Qualität auf. Zudem ist die optische Verbindung zum bestehenden Schulgebäude an der Endresstraße 100 mit der vorgeschlagenen Verglasung in der neuen Aula ansprechend gelöst.

Besonders bemerkenswert ist es, dass dieses Projekt als einziger Beitrag im Wettbewerb, mit lediglich einem Untergeschoss auskommt, die Turnhalle gleichmäßig mit Tageslicht versorgt wird und sich dadurch erweiterte Nutzungsmöglichkeiten ergeben.

Vor der schlussendlichen Entscheidung wurde nochmals eine Begehung des Grundstücks vorgenommen um eine bessere räumliche Orientierung des vorgeschlagenen Baukörpers zu erhalten. Ebenso wurde die Idee einer Überarbeitung mehrerer Projekte diskutiert, was jedoch aufgrund der grossen qualitativen Unterschiede der in Frage kommenden Projekte wieder verworfen wurde. Abschließend konnte festgestellt werden, dass die Projektziele mit dem Vorschlag von Andreas Breuss mit Dietrich-Unterftrifaller überwiegend erreicht worden sind und die Weiterentwicklung des Projektes unter Berücksichtigung aller Parameter leicht umsetzbar scheint.

Somit wurde von der Jury das Projekt von Andreas Breuss mit Dietrich-Untertrifaller zur Weiterbearbeitung empfohlen. Mit der Weiterbearbeitung wurden von der Jury auch klare Verbesserungsaufträge formuliert, wie beispielsweise das Variantenstudium des gartenseitigen Klassentrakts, die in den nun bevorstehenden Planungsphasen vom Architektenteam umgesetzt werden müssen.

Der Dank der Jury gilt allen, die das Projekt bis zum derzeitigen Stand mitgetragen haben. Es wird auch in Zukunft viel Unterstützung und Willenskraft notwendig sein, um dieses vielversprechende Projekt eines Tages Wirklichkeit werden zu lassen.

Andi Breuss

Dietrich | Untertrifaller Architekten Aktuelles

Dietrich | Untertrifaller Architekten Wettbewerbe

Ansichten und Pläne hier

Wien, 22.02.2015
Jürgen Fränzer
(Juryvorsitz, Vater eines Kindergartenkindes, Architekt)